Beißende Herdenschutzhunde: Die Zahl der Angriffe auf Wanderer steigt

Beißende Herdenschutzhunde: Die Zahl der Angriffe auf Wanderer steigt

Herdenschutzunde sollen Wölfe verjagen. Doch Herdenschutzhunde greifen manchmal auch Wanderer und Biker an. Der Tessiner Mitte-Nationalrat Fabio Regazzi will deshalb Menschen besser vor den vierbeinigen Bewachern schützen.

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Herdenschutzunde sollen Wölfe verjagen. Doch Herdenschutzhunde greifen manchmal auch Wanderer und Biker an. Der Tessiner Mitte-Nationalrat Fabio Regazzi will deshalb Menschen besser vor den vierbeinigen Bewachern schützen.

Herdenschutzhunde: Die Zahl der Angriffe auf Wanderer steigt

Eine junge Frau umlief eine Ziegenherde im schweizerischen Tessin weiträumig. Dennoch bellte sie ein eingesetzter Herdenschutzhund an und schnappte schliesslich zu.

"Das ist alles sehr schnell passiert", so die Frau gegenüber dem Fernsehen der italienischen Schweiz. Die Bilder mit den Bisswunden in beiden Beinen boten keinen sehr schönen Anblick!

Knapp 300 Herdenschutzhunde aus dem Bundesprogramm im Einsatz

Meistens sind es Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde, die den huftrag haben Nutztiere vor dem Wolf zu schützen. Sie bewachten 48.000 Schafe, 1.500 Ziegen und gut 500 Rinder, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mitteilt.

Die Herdenschutzhunde müssen gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen, zum Beispiel im Bereich der Ausbildung. Der Bund fördert die Schutzhunde mit finanziellen Beiträgen.

Schutzhunde bissen im letzten Jahr 26 Personen

Das Grundproblem: Oft führen Wander- und Bikerwege durch ein Gebiet, in dem Schutzhunde wirken.

Trotz Beschilderung, Warnhinweisen und Konzepten zur Unfallverhütung lassen sich Konflikte nicht immer vermeiden.

Gemäss dem Bafu bissen Herdenschutzhunde aus dem Bundesprogramm im letzten Jahr 26 Personen.

Noch in den Jahren zuvor, 2019 und 2018, verzeichnete das Bafu 17 Bisse, noch vor fünf Jahren waren es weniger als zehn.

Wer schützt uns vor den Herdenschutzhunden

"Wer schützt uns vor den Herdenschutzhunden?" fragt deshalb Fabio Regazzi.

Der Tessiner Nationalrat berichtet von wachsendem Unmut, auch bei Tourismusbetrieben. In einer Interpellation schlug er deshalb weitere Massnahmen vor, um Konfrontationen zwischen Mensch und Schutzhund "auf ein Minimum zu reduzieren" – zum Beispiel, indem Schutzhunde am Tag nur noch selten eingesetzt würden, weil der Wolf die Herden in der Regel in der Nacht angreife.

Der Bundesrat findet dies keine gute Idee und schreibt dies in der Antwort auf Regazzis Vorstoss.

Er taxiert auch die Ausbildung der Hunde für angemessen. Probleme ortet der Bundesrat bei den Kantonen, welche die Massnahmen zur Konfliktverhütung mangelhaft umsetzten. Er empfiehlt den Kantonen etwa, dafür zu sorgen, dass Wanderwege nicht durch das Territorium von Schutzhunden führen, Wanderwege zeitweise zu sperren oder umzuleiten.

Zudem würden sich auch Touristen nicht immer geschickt verhalten im Umgang mit Herdenschutzhunden

Schaf- und Ziegenhalter gaben derweil zu Protokoll, Probleme mit Wanderern und Bikern liessen sich kaum vermeiden. Sie appellierten an einen rücksichtsvollen Umgang.

Dieser ist nicht immer gegeben. Manchmal verhalten sich Touristen unbewusst provokativ oder sie lassen sich sogar zu Tätlichkeiten hinreissen, indem sie mit Pfefferspray, Steinen oder Wanderstöcken die Hunde zu verscheuchen versuchen.

Meistens aber würden die Begegnungen zwischen Schutzhunden und Menschen problemlos verlaufen, da die Schutzhunde in der Ausbildung bewusst auf den Umgang mit Menschen sozialisiert würden, sagt Martin Baumann vom Bafu.


Foto: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=586127
Quelle: lutzernerzeitung.ch


 

 

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